Deutscher Schulschachkongress in Schwerin

Bericht vom 12. Schulschachkongress in Schwerin

„Das Hotel in der Nähe des Bahnhofs“, liest man oft in Ausschreibungen. Das in Schwerin setzt neue Maßstäbe: die Gleise liegen neben dem Hotel. Eine von vielen positiven Überraschungen in der „kleinsten und schönsten Landeshauptstadt“ Deutschlands, wie der Bürgermeister Herr Badenschier seine Stadt nannte bei der Eröffnung im Mecklenburgischen Förderzentrum. Wie selbstverständlich erläuterte er den Zuhörern, wie er in seiner Elternzeit Schach gelernt und eine Saison in einer Mannschaft mitgespielt hatte. Für ihn nichts Besonderes, für uns Zuhörer ein toller Zufall, dass ein Bürgermeister Schach mag, es sogar organisiert gespielt hatte. Nicht hier in Schwerin: denn zuvor hatte Ministerpräsident a.D. Herr Sellering von seinen zwei (!) Saisonen in den Mannschaften berichtet, die er in seiner Jugend gespielt hatte. Außerdem erklärte er plastisch, was ihm Schach als Person gebracht hat (1. Strategisches Denken und 2. Die Zusammenhänge zwischen Ursache und Wirkung erkennen, „was weg ist, weg ist weg“). Eine tolle Ansprache! Würdig war das dem Rahmen, denn die Grundschüler der Grundschule Lankow gaben sich erfolgreich alle Mühe, ihre Gastgeberrolle angemessen auszufüllen. Im Rahmen der Festreden zur Begrüßung hatten die Kinder einen großartigen Musikbeitrag über Schach in Lankow aufgeführt und mit mancher schauspielerischer Glanzleistung versehen. Die Schulleiterin Frau Schulze betonte in ihrer Begrüßungsrede die vielen Talente ihrer Schüler und präsentierte in einer (bald frei verfügbaren!) Präsentation die Entwicklung der Grundschule Lankow bis heute.

Die Schachlehrerin des Jahres 2017 und Ausrichterin dieses Jahr, Ulrike Stark, begrüßte ebenfalls alle Teilnehmer, bis Sven Hagemann vom AK Schulschach für die Deutsche Schachjugend den Kongress für eröffnet erklärt hatte.

Am Vortag, dem Freitag, hatte es schon ein großartiges Programm gegeben in Schwerin: Eine Stadtführung mit Schülern der Schule, der Besuch des Schlosses, am Abend dann ein Prominententurnier und der Besuch des Schachcafés standen an. Jörg Schulz (DSJ-Geschäftsführer) und Uwe Kollwitz (Schulschachreferent von MV) nahmen derweil im Hotel die über 80 Teilnehmer und Referenten in Empfang. In Anbetracht der weiten Anreise für manche Teilnehmer ist diese Resonanz großartig, danke für diesen Zuspruch!

Zurück zum Samstag: nach kurzem Weg aus dem Förderzentrum rüber in die Grundschule Lankow begannen die Referenten und Teilnehmer mit ihren 20 Workshops. 3 mal 2 Stunden konzentrierte Arbeit folgten an z.B. Denksportaufgaben für das Schulschach (Manfred Grömping), Schach zum Schwitzen (Björn Lengwenus) oder Chessbase für Einsteiger (Martin Fischer).

Am Abend folgte im InterCity Hotel noch die schachpädagogische Nacht mit über 60 Teilnehmern und feinem Essen, einer tollen musikalischen Darbietung und Ehrungen für zwei Schachfamilien aus Deutschland, an dieser Stelle wurde auch die Ausrichterin Ulrike Stark geehrt.

Ein Highlight am letzten Tag -dem Sonntag- war der Vortrag der Wissenschaftlichen Mitarbeiterin Frau Dr. Hoese über ihre Forschung an der Universität Rostock über Schach an der Grundschule. In ihrer Studie prüfte Frau Dr. Hoese die Hypothese, dass „Schach positive Auswirkungen auf die schulischen Leistungen der Kinder hat und ihre Freude am Mathematik-Unterricht steigert.“

Die kognitiven Fähigkeiten der Schachgruppe in Lankow stiegen leicht an gegenüber der Kontrollschule in Schwerin (ohne Schachunterricht): signifikante Unterschiede wurden getestet bei den Gedächtnisleistungen. Hier kann ein positiver Effekt von Schach auf die Leistungen der Grundschüler in Lankow als erwiesen angesehen werden. Weitere Ergebnisse hierzu werden in den nächsten 8 bis 10 Monaten zur Veröffentlichung vorbereitet.

Dem zweistündigen Vortrag folgten zum Abschluss noch die Treffen der Deutschen Schachschulen und der Landesschulschachreferenten.

Vielen Dank an die Gastgeberinnen und Gastgeber aus Schwerin für einen sehr gelungenen Kongress und die administrative Unterstützung der Mitarbeiter aus der DSJ-Geschäftsstelle in Berlin!

Eine Information noch an dieser Stelle: Patrick Wiebe wird weiterhin Kurse und Seminare anbieten, nur aus der administrativen Arbeit möchte er aus beruflichen Gründen erst einmal ausscheiden. Wir danken (und um das angemessen zu tun wird der passende Rahmen bald gefunden werden) Patrick für seine jahrelange, zuverlässige und kompetente Unterstützung für die Dt. Schulschachstiftung e.V.! Es sind weit mehr Dinge als bloß Fußnoten, die Patrick dem Deutschen Schulschach ins Stammbuch schreiben konnte! Danke für alles bisher und das, was da noch kommt!

Im kommenden Jahr findet der Schulschachkongress in Herford statt (13. Bis 15.11.).

Bis dahin!

Boris Bruhn

Vorsitzender Deutsche Schulschachstiftung e.V.